Inklusion im KiKoMo: Wenn der Kochlöffel Brücken baut

Bei „Inklusion“ denken viele zuerst an Rampen, breite Türen oder Gesetzestexte. Für uns im KiKoMo bedeutet Inklusion aber vor allem eines: Gemeinsam kochen und essen.

Wir erleben täglich, was Teilhabe wirklich bedeutet. Es ist nicht nur ein theoretisches Konzept, sondern der Moment, in dem Kinder, egal welcher Herkunft, mit oder ohne Förderbedarf, zusammen den Teig kneten und stolz ihr eigenes Essen probieren.

Hier sind unsere Erfahrungen, warum Kochen einer der stärksten Motoren für Inklusion ist und was wir bei unseren Einsätzen in Karlsruher Schulen und Kitas gelernt haben.

Wenn die Küche zum Kind kommt (Barrieren abbauen)

Oft scheitert Inklusion an ganz praktischen Dingen: „Wir würden ja gerne kochen, aber wir haben keine Schulküche.“ Genau hier setzen wir an. Inklusion heißt für uns: Wir warten nicht, bis die Strukturen perfekt sind, wir bringen die Küche einfach mit.

Unsere Erfahrung zeigt: Sobald das KiKoMo auf dem Schulhof steht, fallen viele Hürden. Wir schaffen einen Raum, in dem Teilhabe für alle möglich wird. Ob an einer Regelschule oder einer Förderschule, wir finden, der Zugang zu gesunder Ernährung und Bildung sollte nicht davon abhängen, ob das Gebäude eine Schulküche hat.

Kochen ist eine universelle Sprache

Wir arbeiten oft mit bunt gemischten Gruppen, seien es Vorbereitungsklassen mit geflüchteten Kindern oder inklusive Gruppen, in denen Kinder mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten. Unsere schönste Beobachtung dabei: Beim Kochen braucht man keine großen Worte.

Sprachbarrieren verschwinden: Man muss nicht perfekt Deutsch sprechen, um zu verstehen, wie man eine Möhre schält oder Teig ausrollt. Das gemeinsame Tun verbindet sofort.

Selbstwirksamkeit spüren: Wir erleben immer wieder Kinder, die im klassischen Unterricht vielleicht Schwierigkeiten haben, im KiKoMo aber aufblühen. Hier zählt das praktische Ergebnis. Wenn ein Kind mit Förderbedarf den anderen zeigt, wie man die perfekten Brötchen formt, ändert das den Blick der ganzen Gruppe aufeinander.

Vielfalt auf dem Teller – und im Team

Inklusion bedeutet für uns auch, Vielfalt als Stärke zu feiern. Das passt perfekt zu unserem Thema Ernährung.

Kulturelle Vielfalt: „Die ganze Welt auf einem Teller“ ist bei uns Programm. Besonders deutlich wurde das bei unserem Projekt mit der Vorbereitungsklasse (VKL). Hier treffen wir Kinder aus aller Welt, die oft noch kein Deutsch sprechen. Das KiKoMo wird zum Schmelztiegel der Kulturen: Über das gemeinsame Kochen und Essen kommen wir ins Gespräch. Fragen wie „Wie heißt die Kartoffel in deiner Sprache?“ oder „Was esst ihr zu Hause?“ machen Herkunft sichtbar – und wertvoll. Wenn Kinder von den Gerichten aus ihrer Heimat erzählen, wird „anders sein“ plötzlich zu etwas Spannendem und Leckerem. Inklusion bedeutet hier, Herkunft nicht als Hindernis, sondern als Bereicherung zu sehen.

Generationen verbinden: Inklusion kennt kein Alter. Das zeigen unsere Projekte, bei denen Kinder unterschiedlichen Alters gemeinsam kochen. Ein besonderes Beispiel ist unser Besuch im November im Sybelcentrum der Heimstiftung Karlsruhe. Dort finden Kinder und Jugendliche Unterstützung, die aus schwierigen familiären Situationen kommen. Beim gemeinsamen Backen ging es um mehr als nur Zutaten: Es ging um Wärme, Vertrauen und das Gefühl „Ich kann etwas erschaffen, das anderen schmeckt“. Das Wissen der Älteren und die Neugier der Jüngeren ergänzen sich dabei ideal. Inklusion heißt hier auch, soziale Benachteiligung auszugleichen und Kindern einen sicheren Hafen zu bieten, in dem sie einfach Kind sein dürfen.

Unterwegs mit dem KiKoMo: Wo Inklusion in Karlsruhe lebendig wird

Theorie ist gut, aber Praxis schmeckt besser. Wenn wir mit dem KinderKochMobil durch Karlsruhe rollen, begegnen wir Inklusion nicht in Gesetzestexten, sondern in den strahlenden Gesichtern der Kinder.

Jeder Stopp zeigt uns eine neue Facette davon, was „Dazugehören“ bedeutet. Hier sind noch drei Orte in Karlsruhe, die zeigen, wie vielfältig Inklusion sein kann und wie wir sie gemeinsam am Herd erleben.

1. Kita Kieselsteine & Erich-Kästner-Schule: Wenn Hände sprechen

In Einrichtungen wie der Kita Kieselsteine oder der Erich-Kästner-Schule, die sich auf Kinder mit Hör- und Sprachbedarf spezialisieren, erleben wir immer wieder: Kochen ist Kommunikation, die keine Worte braucht.

Visuelles Lernen: Ein Rezept muss nicht immer aus Text bestehen. Wir arbeiten oft mit Bildern und zeigen Handgriffe vor.

Gemeinsame Sprache: Ob ein Kind hört oder nicht, ob es spricht oder gebärdet, der Duft von frischen Brötchen wird von allen gleich verstanden.

Diese Einsätze lehren uns, wie wichtig Barrierefreiheit in der Kommunikation ist. Wenn wir unsere Rezepte so gestalten, dass alle sie verstehen, profitieren am Ende auch die Kinder, die vielleicht einfach nur noch nicht gut lesen können.

2. Schule am Weinweg:

An der Schule am Weinweg (Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren) haben wir gelernt, dass der Weg das Ziel ist. Inklusion bedeutet hier: Wir passen den Prozess an das Kind an, nicht umgekehrt.

Selbstwirksamkeit: Vielleicht dauert das Lesen des Rezepts oder das Schneiden einer Gurke etwas länger, aber das Ergebnis zählt.

Teamwork: Wir erleben oft, wie Kinder mit Förderbedarf unglaublich hilfsbereit sind und sich gegenseitig unterstützen. Da wird dem Nachbarn ganz selbstverständlich der Teig gehalten. Das ist gelebte Sozialkompetenz, von der sich so manche Erwachsenen-Gruppe eine Scheibe abschneiden könnte.

Fazit: Karlsruhe hat viele Rezepte für Inklusion

Unsere Tour durch Karlsruhe zeigt uns: Es gibt nicht die eine Inklusion.

• Mal bedeutet sie, den Workshop nach draußen zu verlegen.

• Mal bedeutet sie, Geduld zu haben.

• Mal bedeutet sie, ohne Worte zu kommunizieren.

Aber immer bedeutet sie: Gemeinsam machen.

Fazit: Unser Rezept für ein Miteinander

Inklusion ist für uns im KiKoMo keine Pflichtaufgabe, sondern das Herzstück unserer Arbeit. Wir erleben, dass Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit zusammengehören.

Wenn wir Kindern zeigen, wie sie gesund und nachhaltig kochen, geben wir ihnen Werkzeuge für ihr ganzes Leben an die Hand und zwar allen Kindern.

Unser Learning: Inklusion passiert oft ganz nebenbei, wenn man ein gemeinsames Ziel hat. Das fertige Essen schmeckt allen gleich gut, egal wer die Zwiebeln geschnitten hat und wie sie geschnitten wurden.

Wir freuen uns darauf, auch in Zukunft mit dem KiKoMo durch Karlsruhe zu rollen und zu zeigen: Inklusion ist ein Rezept, das uns allen schmeckt.

Wir vom KiKoMo sind stolz darauf, mit so tollen Partnern wie den Förderinstitutionen wie dem Sybelcentrum, den Karlsruher Kitas und Schulen zusammenzuarbeiten. Denn am Ende des Tages sitzen wir alle am selben Tisch und es schmeckt am besten, wenn wirklich jeder einen Platz daran findet.

Guten Appetit – wünscht euer KiKoMo